Das Zevener Syndrom

September 4th, 2011

Bei der Handwerkerfreisprechung verabschieden wir uns von Dennis, der uns gemixt hat: „Tschüs, nächstes Mal sehen wir uns beim Stadtfest in Zeven!“ Dennis kommt aus der Gegend um Zeven und wenn wir geglaubt haben, er freut sich über unseren Auftritt in seiner Heimat, haben wir uns getäuscht.

„Ach du Schande, das tut mir leid!“
„Häh?“
„Habt Ihr noch nie vom ”Zevener Syndrom” gehört?“
„Nö!“
„Also das bedeutet, dass die Leute vor der Bühne stehen und keinerlei Regung zeigen. Nicht, dass ihr das jetzt falsch versteht, die amüsieren sich schon – auf ihre Weise – aber man merkt es Ihnen nicht an. Das bringt Musiker zur Verzweiflung!“

Der Tontechniker aus Zeven

Der Tontechniker aus Zeven

Leicht besorgt traten wir gestern unsere Reise in das Gebiet im Dreieck Hamburg – Bremen – Bremerhaven an. Auf dem Weg dahin musste Tommy zunächst dienstlich werden. Ein uns entgegenkommender PKW wich einer selbstfahrenden Landmaschine, auch Traktor oder Tregger genannt aus und kachelte ungebremst in einen ca. zwei Meter tiefen aber ausgetrockneten Straßengraben. Der Tiefflug wurde dort jählings von einem im Graben stehenden Baum gebremst. Der Fahrer verletzte sich leicht. Tommy übernahm die Verkehrsregelung, die erste Hilfe, die Bergung und Absicherung des Fahrzeuges und alarmierte die Kavallerie. Nachdem ein kompletter Lösch- und technischer Zug der freiwilligen Feuerwehr aus Ostereistedt oder Rhadereistedt, der Rettungswagen, Notarzt, Polizei, Straßenverkehrs- und obere Wasserbehörde sowie der Bürgermeister von Kirchwistedt nebst Landrätin erschienen waren, wurde Tommy von den eingesetzten Kräften mit dem tief empfundenen Ausspruch der Anerkennung und unter dem tosenden Applaus der zahlreichen Zuschauerinnen und Zuschauer entlassen und wir konnten unsere Reise fortsetzen.

Die Kavallerie

Die Kavallerie

In Zeven angekommen stellten wir fest, dass der 986 erstmals erwähnte Ort das norddeutsche Zentrum des Line-Dances beherbergt. Zeven ist sozusagen das Laramie des Nordens. Auf der Tanzfläche vor der Bühne übten sich Legionen von Linedancern in purer Lebensfreude. Normalerweise löst Line-Dance bei mir Juckreiz aus, aber die Leute in Zeven verstehen was davon und das sah richtig gut aus. Also da war schon mal nix mit „Zevener Syndrom“. Wobei unsere Musik nicht unbedingt zum Line-Dance taugt.

Line Dance

Line Dance

Auf der Bühne stand demangepasst auch eine lupenreine Band, die beides konnte: Country und Western: „Slow Horses“. Ich persönlich mag Countrymusik. Die Eagles haben mich in die Richtung gebracht. Willie Nelson, Carrie Underwood, Dolly Parton, ich habe eine Best of CD von Tammy Wynette und alle Scheiben von den Dixie Chicks, die ich verehre. Ich würde für mein Leben gerne Pedal-Steel-Guitar lernen. Die besten Musiker der Welt arbeiten in Nashville und wenn eine Band Country-Mucke macht, muss sie ihre Instrumente virtuos beherrschen, brillant mehrstimmig singen können und sehr präzise spielen, denn der cleane und transparente Sound der Countrymusik verzeiht keine Schlampereien. Die anderen in unsere Band finden Countrymucke komplett scheiße. Vor der letzten Probe lief bei mir im Auto „Takin” on water“ von Willie Nelson. Das ist eigentlich lupenreine Rhythm and Blues Mucke, geile Bläsersätze, ein super Groove. „Willie Nelson, der geht gar nicht!“, war der Kommentar meiner Kollegen. Umso größer ist die Anerkennung zu werten, die alle „Slow Horses“ zollten. Eine tolle Band!

Slow Horses

Slow Horses

Bei Stadtfesten wirst Du als Band manchmal behandelt wie der letzte Dreck. Kein Parkplatz, am besten schon morgens aufbauen, keine Betreuung, kein Catering. Wie freut man sich dann, wenn man einen Parkausweis erhält. Hinter der Bühne steht ein Garderobenzelt. Dort wird wohlschmeckendes Essen angerichtet und die Stadtfest-Organisatoren um Lui sind ausgesucht höflich, freundlich und entgegenkommend.

Lui vom tollen Orgateam - rechts

Lui vom tollen Orgateam - rechts

Um 20:30 Uhr spielen „Slow Horses“ die letzte Note ihrer Zugabe.

Der Soundcheck geht zügig über die Bühne und um 21:30 beginnen wir mit dem ersten Set. Auf dem Platz vor der Bühne ist eine Menge los und – Hey! - unmittelbar vor der Bühne wird Party gemacht. Wenn es das „Zevener Syndrom“ gibt, dann ist es zumindest partiell überwunden. Im zweiten Set breitet sich die Welle aus und im dritten Set hat man von der Bühne aus den Eindruck, Zeven tanzt. Der vierte Set beginnt um ein Uhr nachts. So geht Stadtfest also auch, ohne gerichtliche Verfügungen von Arschlochanwohnern. Um zwei Uhr spielen wir den fünfzigsten Titel an diesem Abend: „Bohemian Rhapsody“! Zeven feiert sich, und zwar zu Recht. Was für eine tolle Stadt! Die Zevener wollen eine Zugabe! „Angels“ hatten wir uns vorgenommen. Tommy geht ans Mikro: „Okay Zeven, ihr bekommt Eure Zugabe. Wir machen eine kurze Pause und dann spielen wir noch EINE STUNDE!“

WATT?

„Das war doch jetzt ”n Witz?“ fragt Dave.

Nee, war es nicht. Eine Verlängerung bei einem Stadtfest haben wir bislang noch nicht erlebt. Die Zevener übrigens auch nicht. Wir spielen unsere Filmserie – Dirty Dancing, Grease, Blues Bros, Rocky Hörrohr Picture Show, Brigdet Jones – dann finden wir Schlager toll. Meinen ersten Aussetzer habe ich bei der „Perfekten Welle“. Dei dem darauffolgenden „Tausendmal berührt“, macht es bei mir Zoom. Ich weiß nicht mehr welchen Titel wir spielen, geschweige denn, was mein Beitrag zu diesem Song sein sollte. Ich beginne zu halluzinieren und mache eine außerkörperliche Erfahrung: ich sehe mich tatsächlich selbst vor der Bühne tanzen. Die Lippen meines Alter-Egos formen Satzfetzen, die an mein Ohr dringen:

„DU……grszwnss HAST szszstzb DEINE bsbsbswrw LEISTUNGSGRENZE zszszsbsbsbsb ÜBERSCHRITTEN!!!!“

Sechs Stunden auf der Bühne, sechzig Titel und ein Verkehrsunfall reichen um mich auszuknocken. Ich werde alt!

Festzustellen wäre noch, dass es sich bei dem “Zevener Syndrom” um einen unwahren urbanen Mythos handelt. Zeven rockt!

Weil ich Schlagzeuger bin…

Juni 5th, 2011

Meine letzten Einträge waren flammende Plädoyers gegen Vorurteile jeglicher Art. Stellt Euch vor, es gibt auch Vorurteile über Musiker. Zum Beispiel die folgenden:

-Gitarristen sind immer schlanke Typen mit langen Haaren
-Sängerinnen und Sänger sind Diven
-Keyboarder haben keine Ahnung von Technik

und

-Schlagzeuger sind ein bisschen blöde

Das mit den Gitarristen ist wahr. Außer mir gibt es ein paar weitere löbliche beleibte Ausnahmen. Den Louis Pete aus Augsburg zum Beispiel. Wie ich bei der Gendarmerie beschäftigt.

Pete Louis - Gitarrist und Frontman der Scharfen Karpfen

Pete Louis - Gitarrist und Frontman der Scharfen Karpfen

Leslie West kennt wahrscheinlich kaum noch jemand. Der Gründer der Rocklegende „Mountain“ brachte 1975 ein Soloalbum mit dem Namen „The great Fatsby“ heraus. Lowell George war der grandiose Slide-Gitarrist von „Little Feat“. Kennt Ihr auch nicht mehr? Wie dem auch sei, Lowell starb 1979 mal gerade 34jährig an einem Herzinfarkt zu dem neben diversen anderen berufsbedingten Risikofaktoren sein erhebliches Übergewicht einen maßgeblichen Beitrag geleistet hatte. Seine letzte Scheibe hieß: „Thanks, I’ll eat it here!“ Ich glaube, das lasse ich mir dereinst auf meinen Grabstein meißeln.

Dass Sängerinnen und Sänger Marotten züchten, wie Schalkefans Brieftauben oder Hunde Zecken, das weiß nun wirklich jeder. Unser Drummer Michael, über den wir auch noch sprechen müssen und der nun wirklich viel rum kommt, sagte einmal er habe sich jahrlang der vergeblichen Hoffnung hingegeben zwei Sänger zu kennen, die einigermaßen normal seien. Nimm einen Musiker, subtrahiere alles Normale und stelle ihn ans Mikrofon.

Keyboarder haben keine Ahnung von Technik. Das ist eine bitterböse Ironie des Schicksals, denn die heutigen Tasteninstrumente wären Raumschiffe, wenn sie fliegen könnten. Frage mal einen Keyboarder, was eine Hüllkurve ist, oder ein Modulationseffekt, was Decay oder Delay bedeutet. Die meisten werden Dir antworten: „Mein Keyboard hat achttausend Sounds, so’n Scheiß brauche ich nicht!“ Differenzierte technische Analysen erwartet man von Keyboardern vergeblich. Keyboarder sind wie diese modernen Stofftiere. Vier Schalter, vier Sprüche: „Mein Monitor muss lauter!“, „Die Gitarre muss leiser“, „Ich will auch mal singen“, „Mein Monitor muss noch viel lauter!!“ Komme dieser Gattung bloß nicht mit kleinlichen Hinweisen auf physikalische Grenzen, eher lernt ein Elefant fliegen, als das ein Keyboarder technische Intelligenz entwickelt.

Ein Elefant der fliegt

Aber was ist nun mit den Schlagzeugern, den Drummern. Die brauchen doch eigentlich vier unabhängige Gehirne, um ihrem Job erfolgreich nachgehen zu können. Dazu ein paar Reime eines recht bekannten Vertreters der schlagenden Musikerzunft:

Ich hab als Kind schon nichts getaugt
statt an der Brust hab”” ich am Bauchnabel gesaugt
Das war kurz nach der Geburt - als meiner Mutter klar wurd””
Das ich niemand gefährde — wenn ich Drummer werde

Weiter heißt es dort: „Bei Gehirn-Fragen muss ich passen, bin ein einfaches Gemüt, kriege selten mit, wie mir geschieht!“

So singt Bela B., der Drummer von den Ärzten. Bis vor Kurzem war ich eigentlich zuversichtlich, dass unser Michael eine leuchtende Ausnahme dieser so kompetent besungenen Regel ist. Bis sich der Neffe, wie er auch genannt wird, unser Zoom-Aufnahmegerät für seine Proben mit Love.Might.Kill ausgeliehen hat.

„Moin Fete, Du, ich krich das Ding nicht an. Ich habe das Netzteil angeschlossen, aber ich kann auf dem Display nichts erkennen. Was muss ich denn da machen?“

Dazu muss man einräumen, dass der Name „Zoom“ irgendwie auch eine Firmenphilosophie zu repräsentieren scheint. Schalter und Displays sind so winzig, dass man sich für die getrübten Okulare einen Hundertfach-Zoom wünscht, um die Mäusetastaturen bedienen zu können. Nix für Grobmotoriker, der Scheiß. Dementsprechend ruhig konnte ich dem vermeintlichen Einstein unter den Trommlern erklären, wo sich der On-Penökel befand.

Zoom Aufnahmegerät

Zoom Aufnahmegerät

„Hab”” ich schon gefunden, funzt aber trotzdem nicht.“

Kurze gedankliche Fernfehlerdiagnose, ein Begriff, den Keyboarder für eine Genitalerkrankung halten würden, und schon war das Problem erkannt. Ich hatte nach dem letzten Gebrauch die Batterien bei dem Gerät entfernt. Die Energieversorgung mit dem Netzteil klappt nur bei eingelegten Batterien. Klingt komisch, ist aber so, hat wahrscheinlich ein singender Keyboarder entwickelt.

Der nächste Tag. Ich auf dem Job. Meine Kollegin meldet sich: „Ein Herr Ärre für Dich!“
„Moin Fete, hier ist Neffe! Du, ich habe jetzt Batterien besorgt, aber das Teil haut immer noch nicht hin.“

Ich heuchle kurz Interesse, weil nach der Einleitung schon klar ist, dass ich jetzt auch mit meinem Latein am Ende bin. Gemeinsam kommen wir zu dem Ergebnis, dass wir das Teil dann wohl als erlöst betrachten dürfen. Neffe versichert mir noch wie peinlich ihm das ist.

„Nee, Du, Fete, das ist mir jetzt aber unangenehm, vorher war das ja in Ordnung. Da muss ich das ja kaputt gemacht haben…..“

Irgendwie werde ich trotzdem den Verdacht nicht los, dass der Fehler nicht im sondern vor dem Gerät sitzt.

Wenig später: „Du Jörg, jetzt ist Frau Ärre dran!“ Hilli, Neffes Freundin lacht auf eine Art und Weise, die selbst trübste Lebensgeister in pralle Euphorie versetzt.

„Du Fete, Michael mochte nicht wieder bei Dir anrufen. Das Gerät ist in Ordnung, soll ich Dir sagen. Er hatte nur die Batterien falsch herum reingelegt.“

Und wisst Ihr, was das Schlimmste daran ist? Da ist der Neffe nicht selbst drauf gekommen, sondern der Sänger von Love.Might.Kill, dessen Name den Guten als lupenreinen Italiener ausweist: Gianbattista Manenti.

Gianbattista "Jan" Manenti

Ein ITALIENER! Italiener verstehen was von gutem Essen, von Design, von Schuhen, von Kleidung und vor allem von AMORE! Aber doch nichts von Technik. Italiener bauen Fiats!! Die Italiener sind quasi die Keyboarder unter den Europäern.

Auf diese Weise ist es aber Gianbattista Manenti gelungen, den endgültigen Beweis zu führen. Quod erat demonstrandum, Drummer sind – auf eine charmante Art und Weise vielleicht – aber nichtsdestodrotz eindeutig alle ein bisschen DOOF.

Im Übrigen, wenn Ihr einen blöden Drummer und einen technisch begabten italienischen Sänger erleben wollt, sehen wir uns am 17. Juni in der Jahnhalle. Wenn Ihr die beiden sofort erleben wollt, klickt hier

The fool on the hill

Mai 22nd, 2011

Ich bin in der letzten Woche mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren. Auf dem Heimweg ist mir ein seltsam aussehender Fußgänger entgegengekommen. Auf seinem kleinen fast koboldhaften Körper saß ein unglaublich langer Hals, der schräg nach vorne wies. Der Hals schien den ebenfalls sehr kleinen Kopf vor dem Körper hertragen zu wollen wie eine Trophäe. Der Mann war irgendwie alterslos, obwohl seinen Schädel nur ein farbloser Haarkranz zierte, hätte er ebenso ein kleiner Junge wie ein Greis sein können. Die dunklen und tiefen Augen huschten rastlos von einer Seite zur anderen. Sein bizarres Aussehen verlieht ihm etwas Abseitiges. Das Urteil ist dann schnell gefällt. „What if god was one of us?“ hat Joan Osbourne gesungen. Wenn ich Gott wäre, würde ich mir dieses Aussehen geben. Ich glaube mehr kann man nicht über Menschen lernen. Und noch ein Lied ist mir auf Anhieb eingefallen:

Day after day alone on a hill
The man with the foolish grin is keeping perfectly still,
But nobody wants to know him,
They can see that he’’s just a fool
And he never gives an answer.
But the fool on the hill sees the sun going down
And the eyes in his head see the world spinning ”round.

„Fool on the hill“ ist ein Lied darüber, isoliert zu sein, nicht dazu zu gehören, weil man anders ist. Paul McCartney hat allen Menschen, die nicht in unsere Vorstellung von dem passen, was wir für normal halten , damit ein Denkmal gesetzt. Und er meine Wahrnehmung verändert, meinen Vorurteilen ihre zerstörerische Wirkung genommen.

Die Beatles haben viele solcher Lieder geschrieben. „Eleanor Rigby“, „In my life“, „Nowhere man“, „Penny Lane“. Alles kleine Denkmäler für einsame Menschen, für verlorene Seelen, für Menschen aus der Nachbarschaft, die wir zu kennen glauben, obwohl wir es besser wissen sollten. Lieder voller Wehmut, Melancholie, Liebe und Weisheit. Und dabei waren die Beatles damals gerade Mitte bis Ende Zwanzig. Sie waren die „Take that“ oder - wenn man so will - die Lady Gagas ihrer Zeit. Jung, reich, die größten Stars auf dem Planeten. Und trotzdem diese Tiefgründigkeit. Bin ich einfach nur ein alter Kerl, der darüber räsoniert, dass früher alles besser war oder gibt es so etwas wie die Beatles im Popgeschäft nicht mehr?

Auf jeden Fall war es dieser seltsam anmutende Mann, der in mir den Wunsch geweckt hat, noch einmal einen Abend mit Beatlesliedern zu organisieren. So wie 1996 und 2001. Mit Prime Time und Gästen, mit Helmut, mit Tim Früstück und vor allem mit Andreas Plump, mit seiner großartigen Sologitarre zu „While my guitar gently weeps“ oder zu „Something“. Vielleicht schaffen wir es ja im nächsten Jahr.

Ist der Ali kriminell….

April 21st, 2011

ab in die Heimat, aber schnell!

Wahlplakat der NPD

Wahlplakat der NPD

Hallo?! Was hat das denn im Blog einer Coverband zu suchen? Schließlich ist nicht einmal Oma Duck ist so unpolitisch wie eine Coverband! Politik interessiert uns grundsätzlich nicht. Wir verdingen uns parteiübergreifend.

Aber Nazis, liebe Freunde, Nazis haben nix mit Politik zu tun! Nazis sind eher wie ein fieses Feedback auf der Monitoranlage, Nazis sind wie ein Halbton daneben, in zwar in höchster Lage. Nazis sind eine ätzende Beeinträchtigung allgemeiner Lebensqualität. Und jeder, ob im Sportverein, im Unternehmen, in Behörden, in der Schule, in der Ausbildung oder eben sogar in einer Coverband sollte es nicht nur der Politik überlassen, laut und deutlich zu äußern, was wir von dieser quietschenden Gabel auf dem Teller unserer Gesellschaft halten. Und deshalb erklären wir in diesem Blog:

Nazis sind scheiße!

Nazis und Musik, Nazis und Kunst in jeder Form, das sind Antipoden. Kunst bedeutet Kreativität, Faschismus ist Unterdrückung derselben, Kunst bedeutet Vielfalt, Faschismus Einfalt, Kunst bedeutet Integration und Toleranz, Faschismus steht für Ausgrenzung und Intoleranz. Und deshalb verkommt auch jeder Versuch von Nazis bildende Kunst zu schaffen zum grausam pittoresken Zerrbild.

Faschismus schmückt sich bestenfalls mit Kunst, hängt sie sich um, weil die Faschisten glauben, die Kunst verleihe ihnen ein menschliches Antlitz. In Wirklichkeit entsteht dabei aber nichts als eine absurde Fratze.

Faschismus und Kunst ist eine Geschichte von Missbrauch, Verblendung, Kampf um das eigene Überleben oder im schlimmsten Fall von Anbiederung um des eigenen Vorteils willen!

Das Plakat mit dem abscheulich niveaulosen Schüttelreim stammt im Übrigen aus Bremerhaven. Wer uns kennt, weiß, dass wir Bremerhaven lieben. Bremerhaven hat die braunen Vollpfosten nun wirklich nicht verdient, aber die NPD glaubt, dass es im kleinen Land Bremen besonders leicht ist, Wählerstimmen zu fangen. Und damit das auch klappt, haben die Nazis einen ihrer besten zum Wahlkampfleiter bestimmt: Jens Pühse!

Der „Ali-Reim“ dürfte demzufolge dem mittlerweile mit einem Mopp beklebten Braunschädel von Pühse entsprungen sein. Nehmen wir mal an, bei jenem „Ali“ würde es sich um einen Ausländer handeln, der an Kinder Drogen vertickt hätte. Wenn die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind, dann wird jener „Ali“ in der Tat ausgewiesen, dazu brauchen wir keine debilen Reime von Pühse und seinesgleichen.

Wir sollten aber in dem Zusammenhang einmal darauf eingehen, dass Pühse für die sogenannten „Schulhof-CDs“ verantwortlich war. Er und seine feisten „Kameraden“ haben auf Schulhöfen rechtsradikale, volksverhetzende CDs mit unbeschreiblicher Schundmusik an Kinder verteilt. Er hat den Kindern Hass geschenkt! Dieserhalb und desterwegen ist Pühse auch verknackt worden, wegen Volksverhetzung, wegen Verbreitung von Propagandaschriften verfassungsfeindlicher Organisationen und noch einiges mehr.

„Ali“ ist ein imaginäre Krimineller, Pühse hingegen ein höchst realer Straftäter. Wir glauben daher, der vollständige Reim sollte lauten:

Ist der „Ali“ kriminell, ab in die Heimat aber schnell,
und wär” es nicht ein Riesenhit, nähme er den Pühse mit!

Cupid’’s dead and Niggaz can”t sing rock”n”roll?

März 13th, 2011

Amor ist tot, Farbige können keinen Rock”n”Roll spielen und Franzosen gehen ständig fremd. So sieht das nämlich aus, Leute!

Amor ist tot – „Cupid’’s dead“, das ist ein Lied von „Extreme“. „Extreme“ war die Band des amerikanischen Ausnahmegitarristen Nuno Bettencourt. Ebenso wie der Holländer Edward van Halen, ist Nuno Bettencourt ein Beispiel dafür, wie stark Migranten Kulturen bereichern, denn Nuno Bettencourt ist gebürtiger Portugiese. „Extremes“ größter Hit aber vielleicht auch ihr größter Fluch war die unbeschreiblich schöne Ballade „More than words“. “Extreme” gehört zu den wenigen Bands, die es geschafft haben, ein Album für die Ewigkeit herauszubringen. „III Sides to Every Story – Yours, Mine and the Truth“ floppte kommerziell, gilt aber als Meisterwerk der Rockmusik.

Auf der Scheibe findet ihr „Cupid’’s dead“. Als ich den Titel das erste Mal gehört habe, hat es mich schlicht umgehauen. Es war Mitte der Neunziger-Jahre im letzten Jahrtausend. In den Charts war fast nur Müll. „Culture Beat“ mit „Mr. Vain“, „Rednex“ mit „Cotton eye Joe“, „Fickfield“ mit „Saturday night“. Pfui bah!! Und da treibt einem plötzlich eine noch nie gehörte Kombination von Heavy-Metal mit unglaublichen Bläsersätzen den Schweiß auf die Stirn. „Cupid”””’’s dead“ ist einer der besten Rockmusiktitel, die je herausgebracht wurden, auf einer Linie mit „Bohemian Rhapsody“, „Music“ oder „Paradise City“. Aber noch anspruchsvoller, noch virtuoser. Einfach ehrfurchtgebietend! Ganz große Kunst!

“Extreme” haben es geschafft, Metal mit Funk zu verbinden. Das ist ein Kunststück, das nicht vielen gelingt. Metal ist nahezu ausschließlich weiß, denn „Niggazz can””t sing Rock””n””Roll!“

Was das jetzt für””n mieser Rassismus ist, wollt Ihr wissen? „Niggazz can””t sing Rock””n””Roll!“ ist ein Titel von “Mothers Finest”, einer der besten Funk-Metal-Bands aller Zeiten. Tatsache ist aber nun einmal, dass Heavy-Metal eine Musikrichtung ist, bei der die verzerrte Sologitarre stilprägend ist. Mal abgesehen vom Erfinder der Heavy-Metal-Gitarre – Jimi Hendrix – sind die Helden dieser Musikgattung fast ausschließlich Kalkleisten. Jeff Beck, Jimmi Page, Eric Clapton, Steve Vai, Joe Satriani kennt jeder.

Typischer erstklassiger weißer Metalgitarrist - Sven Lüdke

Typischer erstklassiger weißer Metalgitarrist - Sven Lüdke

Aber Hand auf”””’’s Herz, wer von Euch hat Vernon Reid von „Livin Colour“ auf dem Zettel, oder den leider viel zu früh verstorbenen Eddie Hazel von „Funkedelic“ oder Marvin Schulz von „Golden Erection“, dessen Stil und Gitarre im Übrigen sehr stark an Eddie Hazel erinnern?

Marvin Schulz präsentiert von seinem Bruder

Marvin Schulz präsentiert von seinem Bruder

Was haben wir Nordenhamer doch für ein Glück, dass es die Jahnhalle gibt. Ein paar Mal im Jahr können wir dort magische Momente erleben, und am letzten Freitag war es wieder einmal so weit. Auf dem Programm stand „Funktomas and the four funky french friends“. Schon der Name ist genial. Hinter dem Namen verbergen sich „Golden Erection“ verstärkt um einen vierköpfigen Bläsersatz aus Saint-Etienne-du-Rouvray, unserer französchen Partnerstadt.

Funky four french friends

Funky four french friends

„Funktomas and the four funky french friends“ haben Funk und Soul mit Metal verbunden! Ich könnte noch unglaublich viel über diesen phantastischen Abend schreiben, aber ich möchte meinen äußersten Respekt in einem Satz zusammenfassen „Funktomas and the four funky french friends“ haben zweimal geprobt und sie haben „Cupid”’’s Dead“ gespielt.

Bleibt die Feststellung, das Franzosen ständig fremd gehen:

39 Prozent der verheirateten französischen Männer und 24 Prozent der Frauen haben ihren Partner mindestens einmal betrogen. In Deutschland sind es 42 Prozent der Frauen und 46 Prozent der Männer.

Welt online

Es gibt eben noch viel zu lernen!

Schöner kann Städtepartnerschaft nicht sein!

Schöner kann Städtepartnerschaft nicht sein!

Schmecken Eichhörnchen?

März 6th, 2011

Jem gab eine einleuchtende Beschreibung von Boo. Nach den Fußspuren zu urteilen, sei er mindestens zwei Meter groß; er ernähre sich von rohen Eichhörnchen und Katzen. Deshalb seien seine Hände immer mit Blut beschmiert, denn wer Tiere roh esse, könne das Blut nie mehr wegwaschen. Über sein Gesicht laufe eine lange Zickzacknarbe, und die paar Zähne, die er noch hätte, seien gelb und faul. Er habe Glotzaugen, und meist tropfe ihm Speichel aus dem Mund.

Harper Lee, Wer die Nachtigall stört.

“Wer die Nachtigall stört” ist ein wunderbares Buch, das ich Euch nur wärmstens empfehlen kann. Auch Bernd, dem Brot, der bislang nur sieben Bücher in seinem Leben gelesen hat. Wer mag wohl jener Boo sein, von dem Harper Lee schreibt? Darauf gibt es jetzt eine Antwort und ein Foto:

Fete, liebt Eichhörnchen

Fete, liebt Eichhörnchen

Gestern haben wir mit „3T4Coffe“ in der Jahnhalle gespielt. „3T4Coffee“ ist so eine Art Gegenentwurf zu „Seven Green“ und „Prime Time“, den Bands in denen die Mitglieder von 3T4Coffee sonst spielen. „3T4Coffee“, das ist unplugged Musik, ruhig, chillig. Und um die entsprechende Atmosphäre zu schaffen, versuchen wir die Jahnhalle in eine Art gute Stube zu verwandeln. So als träfe man sich bei Freunden, die sich ihre akustischen Instrumente greifen und ein wenig Musik machen. Tascha hat Kontakte zur Niederdeutschen Bühne, und so konnten wir auf deren Kulissenfundus zurückgreifen.

Tascha

Tascha

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen, Unzählige Accesoires schmückten die Bühne.

Gute Stube

Gute Stube

Am meisten hatte es Tommy ein ausgestopftes Eichhörnchen angetan, das er während des Gigs stolz dem Publikum präsentierte.

Tommy und das Eichhörnchen

Tommy und das Eichhörnchen

„Süß, nicht!?“, setzte er an, „das hat Fete mitgebracht. Er hat es selbst erlegt, verzehrt und dann ausgestopft. Eichhörnchen sind in unserer Gegend selten. Das war früher anders. Ihr müsst wissen, dass es in Nordenham und Umgebung große eine große Eichhörnchenpopulation gab!“

Kurze Pause – Timing ist wichtig!

„Bis Fete feststellte, dass sie gut schmecken!“

HAHAHAHAHAHAHAHAHAHA!

Nichts kommt besser, als Witze auf Kosten der Dicken und so hatte Tommy seinen Running-Gag für den Abend gefunden. Als ich während eines Titel, bei dem ich nicht mitspielen musste im Backstage-Raum verschwand, erklärte Tommy: „Der knabbert jetzt erst einmal ein Eichhörnchen!“

HAHAHAHAHA

Als wir ein Lied von Racoon spielten, was der amerikanische Begriff für Waschbär ist, meinte Tommy, früher hätte es in Nordenham und Umgebung auch viele Waschbären gegeben.

HAHAHA

Und Ihr werdet es nicht glauben, er zieht das Ding auch heute, am Tag nach dem Gig durch. Sven hat per Mail vorgeschlagen, eine am Dienstag, den 15. März geplante Probe auf den darauffolgenden Mittwoch zu verschieben. An dem Tag hat mein Schwager Geburtstag, so dass ich nur unter Vorbehalt zusagen konnte. Was meint Ihr, was Tommy geantwortet hat?

Du gehst doch nur dahin, weil es dort was zu essen gibst. Wenn Du am Dienstag kommst, bringe ich Dir auch ein Eichhörnchen am Spieß mit, okay?

Tommy

Dazu fällt mir dann eigentlich nur noch Folgendes ein:

„Hallo Tommy, früher gab es in Nordenham und Umgebung auch Running-Gags!“

Kurze Pause – Timing ist wichtig!

„Bis Du sie alle totgeritten hast!“

HAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHA

Aber mal ernsthaft. Eichhörnchen sind sehr schmackhaft! Das Fleisch ist ausgesprochen zart und schmeckt leicht nussig. Das wissen vor allem die in kulinarischen Fragen bekannt kompetenten Briten (sorry Sharon!). So berichtet www.diepresse.com:

Ungeachtet scharfer Proteste von Tierschützern will ein britischer Supermarkt am Verkauf von Eichhörnchenfleisch festhalten. “In ein paar Jahren wird das wie Kaninchenfleisch sein”, sagte Supermarkt-Leiter Andrew Thornton, der das Fleisch seit rund fünf Monaten in seiner Nordlondoner Budgens-Filiale anbietet, am Donnerstag.
Thornton verteidigte das Fleisch als ökologisch korrektes Nahrungsmittel: Eichhörnchen bräuchten nicht wie etwa Rinder tonnenweise Getreide zu ihrer Ernährung, und sowieso gebe es “zuviele von ihnen”. (So wie früher bei uns – Anm. d. Verf.) Nach seinen Angaben verkauft sein Laden wöchentlich rund ein Dutzend Eichhörnchen.
Eichhörnchenfleisch zählte früher einmal zu den gängigen Zutaten der britischen Küche. Seit einigen Jahren erlebt es ein Comeback, vor allem in Feinschmecker-Lokalen und bei auf Wild spezialisierten Fleischereien.

Und das bekannte Forum für Feinschmecker www.wrestlingcorner.de preist Knabbereien mit Eichhörnchengeschmack an:

Kartoffelchips mit Eichhörnchen-Geschmack!

Nein, die Chips von Hersteller Walkers haben kein Nuss-Aroma, sondern sollen wirklich nach Eichhörnchen schmecken. Eine Jury hat das Aroma zum Sieger gekürt.

Chips mit Eichhörnchen-Geschmack sollen in Großbritannien die Liebhaber des fettreichen Snacks überzeugen. In dem vom Hersteller Walkers ausgerufenen Wettbewerb “Do us a flavour” überzeugte der 26-jährige Martyn Wright am Freitag die Jury mit dem von ihm entwickelten Aroma “Cajun-Eichhörnchen”. Er habe sich von einem Eichhörnchen-Gericht in einem Restaurant inspirieren lassen, sagte der Internethändler aus Hednesford im Westen des Landes.

So, jetzt muss ich aber Schluss machen, wir wollen jetzt essen ;-)

Squirrel

Squirrel

Phil und Gary

Februar 7th, 2011

Phil Lynott war einer der ganz Großen der Rockmusik. Er war Bassist, Sänger und Songwriter der irischen Rockband „Thin Lizzy“. „Thin Lizzys“ größter Hit war „Whisky in the jar“, eigentlich ein altes irisches Volkslied, das die Plattenfirma gegen den Willen der Band veröffentlicht hatte. Einen weiteren Klassiker landeten „Thin Lizzy“ mit „The boys are back in town“ und ihr Live-Doppelalbum „Live and Dangerous“ gehört zweifellos zum Besten und Zeitlosesten, was je auf Vinyl gepresst wurde. Einer der beiden Gitarristen auf diesem großartigen Album war Gary Moore, der bereits 1973 sein erstes Soloalbum herausgebracht hatte.

Anfang der Achtziger Jahre trat Gary Moore im Rockpalast auf. Ich saß vor dem Fernseher und war platt. Das, was ich damals gefühlt habe, verbinde ich auch heute noch mit Gary Moore: Kaum ein anderer Gitarrist hat derart mitreißend Gefühl mit Virtuosität und purer Kraft verbunden. Eine Kraft, die auch über den Sound kam, der in einem Moment brachial und im nächsten herzzereißend melancholisch sein konnte. Meine erste Scheibe von Gary Moore war „Corridors of Power“. Gary Moore war in den Achtziger Jahren irgendwie immer da, aber nie ganz vorne. Er schrieb einen fantastischen Titel nach dem anderen, veröffentlichte im Jahrzehnt des Synthiepops sechs Alben und mehr als zwanzig Singles, darunter Klassiker wie „Out in the fields“ oder „Empty rooms“.

Krise ist ein anderes Wort für Chance. Ende der Achtziger Jahre war Gary Moore in einer künstlerischen Krise und es war eine Gitarre, die ihm zur Inspiration verhielf, aus dieser Krise heraus eines der erfolgreichsten und besten Rockmusikalben aller Zeiten zu schaffen.

Peter Green war der Gitarrist von „Fleetwood Mac“. Mit Titeln wie „Albatross“, „Oh Well“, „Need your love so bad“ oder „Black magic woman“, das Carlos Santana für „Abraxas“ coverte, hatte Peter Green Ende der Sechziger seinen festen Platz im Rockolymp erworben. 1970 traf er während einer Europatournee in München die Kommunarden Uschi Obermayer und Rainer Langhans, die ihn zu einer Party einluden. Biografen von Peter Green halten hartnäckig daran fest, dass Peter Green auf dieser Party soviel LSD-Trips eingeworfen hat, dass seine Psyche bleibende Schäden erlitt. Peter Green zog sich zurück, wurde Friedhofsgärtner und schenkte seine 1959er Les Paul – na, wem wohl? Gary Moore!

In seiner Schaffenskrise schnappte sich Gary Moore eben jene Les Paul, besann sich auf seine Wurzel und stellte fest, dass er immer noch den Blues hatte. „Still got the blues“ wurde sein größter Hit, als Single wie auch als gleichnamiges Album.

1992 erklärte Gary Moore dem Fachblatt Musikmagazin das Geheimnis seines Erfolges:

„Ich bin zurück zur Les Paul gegangen, die ich seit Jahren nicht mehr gespielt habe. Der Sound auf STILL GOT THE BLUES zum Beispiel ist einfach ein JTM 45 Marshall 50 Watt über eine 4*12“-Marshall-Box mit EV-Speakern und ein Marshall Guvnor-Pedal mit einem Mikro davor. Das ist alles!“

Große Künstler erkennt man daran, dass es ihnen gelingt, sich neu zu erfinden.

Mit Prime Time haben wir natürlich „Still got the blues“ gespielt – in Demut und verschämt - und „Walking by myself“, und „Out in the fields“ und „Cold day in hell“.

Phil Lynott ist 1986 gestorben. Jetzt ist ihm Gary Moore gefolgt, während Rainer Langhans im Dschungelcamp nervt und für Zalando Werbung macht. Die Welt ist nicht gerecht!

Highway to heaven..

Januar 30th, 2011

There’’s a lady who thought, all that glitter is gold
and she’’s buying a stairway to heaven

Habt Ihr nicht auch schon mal darüber nachgedacht, wieso es eigentlich „Stairway to heaven“ und „Highway to hell“ heißt, und nicht umgekehrt. „Stairway to heaven“ war zuerst da, mit anderen Worten: Led Zeppelin hatten es in der Hand und die haben sich für die verdammte Treppe entschieden. „And she’’s buying a stairway to heaven!“ Hätten Jimmy Page und Co. Ihre Lady nicht etwas beschleunigen können: „And she’’s riding on a Highway to heaven“ oder so. Dann hätten AC/DC aber alt ausgesehen. „Highway to hell“ wäre dann ja wohl voll abgekupfert gewesen, und ob „Stairway to hell“ ein Hit geworden wäre? Stellt Euch das mal vor, vor der Bühne zucken unzählige Luftgitarristen und der Sänger grölt: „I”m on a Stairway to hell!!!“ Ich sach Euch, dass wäre nix geworden. Und so müssen wir uns eben damit abfinden: Um in den Himmel zu kommen musst Du mühselig endlose Stufen erklimmen, aber in die Hölle geht’s auf der Autobahn!

Und auf genau der fühlten wir uns bei der Kohlknochen-Oldienight in der Bremerhavener Stadthalle. Das lag nicht an der Stadthalle, nicht am hervorragenden Grünkohl und schon gar nicht an den rund 500 Gästen, sondern an diversen Blockaden, mit denen wir uns konfrontiert haben.

So musses aussehen

So musses aussehen

Die erste Blockade hatte Diana, gegen Ende des ersten Sets, der bis dahin eigentlich ganz gut gelaufen war. „California gurls“ von Katie Perry. Anstelle ihres gewohnten Gesanges füllten Fragezeichen den Raum und geistesgegenwärtig machte Tommy dem überraschten Publikum die Katie mit einem Falsett, bei dem die Bee Gees grün vor Neid geworden wären. Möglicherweise wäre den Zuhörern das noch nicht einmal aufgefallen, wenn Diana ihr Problem mit einem Pokerface weggelächelt hätte anstatt den besorgt verwundert und verzweifelten Gesichtsausdruck eines frisch penetrierten Eichhörnchens aufzusetzen. Diana hatte einen Blackout der zweiten Kategorie, das heißt celebrale Flatline mit Nachhall, der in den Beginn des darauffolgenden Liedes wirkte: „I will survive“. Wo gung datt ook noch? Aber dem Himmel sei Dank gibt es da ja Tommy, gerade noch Katie Perry, macht er jetzt lächelnd den Ivan Rebroff und skandiert mit tiefster Grabesstimme: „First I was afraid, i was petrified“ In Dianas Schädel macht es Klick: „Petrified – was heißt das auch noch?“ GELÄHMT!!! „Ach ja……“ und sie SINGT: „Kept thinking I could never live without you by my side!“ Genau, ohne Tommy hätte die Gute das nicht überlebt.

Diana - leicht entsetzt

Im zweiten Set – erster Titel – das Discomedley, hat Sven eine Blockade. ER KANN SICH NICHT HÖREN!! Auf einmal!! Hektisch wird Kai herbeigeordert, der mal wieder feststellen muss: Ein psychoakustisches Mysterium! Physikalisch, tontechnisch ist alles in Ordnung. Okay, Svens Blackout war nicht wirklich der Rede Wert, seine Aussetzer dürften kaum aufgefallen sein.

Ganz anders hingegen zwei Titel später: „Dance with somebody“ Weiß der Teufel welche Sicherung da bei Rafi durchgeknallt ist.

Raphael Funk

Ich könnte jetzt noch nicht einmal sagen, ob er zu schnell oder zu langsam war, weil mein Gehirm sich strikt geweigert hat, sein Getrommel mit diesem bekannstesten Hit von Mando Diao zu assoziieren. Rafi wusste es wahrscheinlich auch nicht, denn zunächst wurde er langsamer und sah dabei aus, wie das traurige Trommeläffchen, dessen Batterien zur Neige gehen, um unmittelbar darauf in einem Gedankenblitz das Tempo drastisch anzuziehen und in meinem Kopf sang eine grausam verzerrte Stimme: You”re on a stairway to hell!

Ich bin nun weiß der Himmel der Letzte, der sich über die Blackouts anderer aufregen dürfte. Ich kenne das. Wenn Du anfängst, darüber nachzudenken, was Du als Nächstes spielen musst, hast Du verloren. Wenn Du bei einem Titel einmal eine Blockade hattest, läufst Du größte Gefahr genau an der Stelle jedes Mal abzukacken. Ich habe das beim eigentlich banalen Anfang von „Beat it“. Also bin ich dann immer besonders konzentriert. Im vierten Set war es soweit. Tommys Standartansage: Und einer darf natürlich nicht fehlen: MICHAEL JACKSON. Rafi fängt mit dem Schlagzeug an und ich reduziere die ganze Komplexität meiner Persönlichkeit auf eine elementare Singularität: Der Anfang von Beat it. Und es klappt: Baaa, da, da, da, daaa, daa dadap dakrschniaiöc wupp. Ich habe komplett verwachst, aber es gibt einen Grund. Irgend etwas hat mich mit voller Härte am linken Bein getroffen, dabei bin ich mit den Händen abgerutscht und außerdem auf mein Volumenpedal gestürzt – fast wäre ich von der Wucht des Aufprall der Länge nach hingeschlagen. Verwundert blicke ich nach links unten und sehe Tommy, der sich knieend an mein Bein klammert. „BIST DU IRRRRE?!?!?!?!?!“ schießt es aus mir heraus. Was war geschehen. Tommy hat sich überlegt, die Härte des Gitarrenriffs gestisch zu untermalen, indem er auf Knie quer über die mit Teppichboden belegte Bühne rutscht. Eigentlich eine Superidee, wenn er sich nicht beim Anlauf verschätzt hätte. Danach ging gar nix mehr bei mir. Aus dem Schlagzeuggroove bin ich nicht reingekommen und musste alleine anfangen und im Solo hätte ich ein Navi gut gebrauchen können.

Der letzte Klopper gehörte dann Tommy. Der letzte Titel, genau um 00:00 Uhr. Angels – von Robbie Williams. Kurz bevor es losgeht, bitten uns Gäste ein Geburtstagskind zu ehren. Für „Happy Birthday“ ist es zu spät, also entschließt Tommy sich, die Grüße während des Solos zu äußern. Schlauer Plan, also fängt Tommy nach den ersten Tönen meiner Gitarre. „Okay, wir haben noch ein Geburtstagskind. Seit zwei Minuten hat Katharina Geburtstag. Katharina, wo bist Du? Könnt ihr Katharina sehen. Ah ja, da ist sie ja! Von deinen Freunden alles Gute! Und auch von uns alles Gute!…..“ Tommy redet und redet und redet. Leute, das Solo ist ungefähr fünfzig Sekunden lang.


Hört Ihr hier!

Ihr könnt es mal ausprobieren, was man in fünfzig Sekunden alles erzählen kann. Da krichst Du einen halben Lebenslauf unter. Tommy quatscht in den beginnenden Refrain rein und verpasst seinen Einsatz. Ich bleibe auf dem Grundakkord, Sven wechselt, was Dave macht, weiß keiner so genau, aber eins wissen wir alle: Das ist nicht mehr zu retten und mit hochroten Köpfen brechen wir ab.

Der Veranstalter hat uns im Anschluss gleich für das nächste Jahr engagiert. And we”re buying a highway to heaven…..

Metal für die Insel…

Januar 12th, 2011

Eine der Scheiben, die ich mit auf die berühmte einsame Insel nehmen würde, ist das „Black“ Al­bum von Metallica. Nicht, dass wir uns jetzt falsch verstehen, ich bin kein Metal-Anhänger. Die richtigen Fans der Schwermetallmusik leben in einem parallelen Universum. In einer anderen Welt, in der es berühmte Bands und Künstler gibt, die in unserer tristen Wirklichkeit keiner kennt: Bird­flesh, Last Days of Humanity, Metalium oder Firewind. Bei den Letztgenannten spielt bzw. spielte unser Drummer, Michael. Michael ist eins der tragenden Mitglieder der weltweiten Heavy-Metal-Gemeinde. Ab und zu schwappt etwas aus diesem fremden Kosmos zu uns herüber. Wanderer zwi­schen den Welten. Iron Maiden zu Beispiel oder eben Metallica, die ihre Fans auch unter weichge­spülten Popliebhabern wie mich haben. Denn neben dem schwarzen Album von Metallica würde ich „Abbey Road“ von den Beatles mitnehmen und „Taking the long way“ von den – ja, ich stehe dazu – Dixie Chicks.

Auch wenn die Puristen und den Metal-Fans die Nase rümpfen. Ein guter Song ist ein guter Song, nicht mehr und nicht weniger, egal, ob es Pop, Soul, Country oder eben Heavy-Metal ist. Es sind al­les nur Lieder. Strophe, Refrain, Bridge, Strophe, Refrain, Refrain. Wenn die Melodie scheiße ist, wird es keinen nachhaltigen Erfolg haben und wer würde auf dieser scheißeinsamen Insel schon Musik hören wollen, die einem nach zweimaligen Spielen aus dem Hals hängt. Vielleicht verbrin­gen wir unser ganzes Leben dort. Deshalb ist Metallica dabei, wegen der Songs und ihrer unerreich­ten Qualität.

Nehmt zum Beispiel dieses Foto und stellt Euch vor, es wäre ein Song!

Ein Foto wie ein Song von Zimmi

Ein Foto wie ein Song von Zimmi

Die Komposition ist gut gelungen. Eine attraktive Frau, eine gute Figur, ein hübsches Gesicht, nett gekleidet. Okay, das Arrangement und die Technik lässt zu wünschen übrig. Es ist etwas langweilig und unscharf. Das könnte ein Song von Bob Dylan sein.

Was haltet Ihr denn von diesem Titel?

Ein Foto wie ein Song von den Fab Four

Ein Foto wie von Metallica

Das ist doch schon viel besser. Die gleiche gelungene Komposition. Eine eingängige Melodie, ein guter Text. Aber in einem viel besseren Arrangement! Der Titel erstrahlt in einem schönen bunten Licht und es gibt einige Akzente, die es viel interessanter machen, die engelhaften Flügel und der dämonische Mönch im schemenhaften Hintergrund. Das muss ein Titel von den Beatles sein, oder von Metallica, oder von den Dixie Chicks.

Unser Drummer Michael hat seine erste eigene Scheibe produziert. Heavy-Metal, selbstverständlich und damit irgendwie auch ein wenig anachronistisch in unserem diesseitigen musikalischen Kos­mos. Aber die neue Scheibe von Kid Rock ist auch ein Anachronismus und trotzdem oder deshalb räumt Pamela Andersons Ex-Busenfreund gerade mächtig ab.

Ich kann Euch hier nichts von Michaels Album vorspielen. Stellt es Euch einfach so vor:

Bunt, schillernd, grandios

Bunt, schillernd, grandios

12 schillernde bunte und interessante Fotos oder besser gesagt Kompositionen, die auch von den Beatles, Abba (ja Leute, genau die!) oder Queen stammen könnten. Präsentiert von einem grandio­sen Sänger mit einem Chorgesang wie man ihn heutzutage nur noch ganz selten zu hören bekommt. Es gibt brillante Arrangements und Solopassagen mit geradezu symphonischen Charakter und na­türlich ein Schlagzeug wie Donnerhall.

Okay, Michael ist Mitglied unserer Band und man könnte glauben, das motiviert mich hinreichend „Love might kill“, so heißt die Truppe mit der Michael den Silberling eingespielt hat, in den Him­mel zu loben. Aber es ist wie es ist: „Brace for impact“ - so lautet der Titel der CD - ist ein Meisterwerk und in ein gerechten Welt wären nicht Bon Jovi oder gar die Scorpions in den Spitzen­positionen der Charts, sondern unser langhaariger Bombenleger mit diesem bemerkenswerten Kleinod.

Sobald “Brace for impact” auf dem Markt ist kann es für Euch, die ihr auf gute Rockmusik steht nur eins geben: KAUFEN, KAUFEN, KAUFEN und dann ab auf die Insel.

love-might-kill

WILL HABEN

Januar 9th, 2011

Früher habe ich immer „Gitarre und Bass“ gelesen. Das ist eine Fachzeitschrift für – wer hätte das gedacht – Gitarristen und Bassisten. Die Zeitschrift erschien monatlich und wenn man einen ganzen Jahrgang zusammen in seinem Zeitschriftenordner hatte, bildeten die Rücken der Magazine ihren Titel: Gitarre & Bass.

Gitarre und Bass

In dieser Zeitschrift gab es Berichte über die Idole dieser Instrumentengattungen und die Leser wurden en detail darüber informiert, welches Instrument, welchen Verstärker Steve Lukather, Eddie van Halen, Steve Vai, Carlos Santana und Co. denn gerade spielten. Es gab Workshopserien und Transkriptionen und vor allem wurden Instrumente, Verstärker und Effektgeräte vorgestellt und getestet. Und genau da lag der verdammte Hase im Pfeffer. Keine Ausgabe in der nicht mindestens einmal ein Reflex pawlowscher Art bei mir ausgelöst wurde, der sich mit zwei Worten auf den Punkt bringen ließ: WILL HABEN!!!!!!

Der neue Marshall-Combo für schlappe 2000.- Euro wurde getestet, oder eine Paul-Reed-Smith für 5000.- Euro, ein Effektgerät von TC Electronics für 1000.- Euro oder eine Akustikgitarre von Seagull für 3000.- Euro und mein ganzes Denken und Streben war darauf fokussiert, wie ich die Kohle auftreiben sollte. Ich stand morgens mit dem Gedanken auf und fantasierte mich abends damit in den Schlaf. Mein Leben schien von dem jeweiligen monatlich wechselnden Objekt meiner Begierde abzuhängen.

Ich musste damit aufhören und ich habe es geschafft. Seit ungefähr acht Jahren bin ich clean. Bis heute!!

Ich habe heute meinen Fender Blues de Ville verkauft. Unter Wert, genau wie ich meinen Marshall und meinen Tube-Screamer viel zu günstig abgegeben habe. Ich bin ein hundsmiserabler Geschäftsmann. Aber irgendwie möchte ich auch, dass meine treuen Begleiter es gut haben, wenn ich mich schon von Ihnen trenne. Dass sie wertgeschätzt werden. Und das schien der Käufer gewährleisten zu können, der sich am Telefon als Ralf Börjes vorgestellt hatte. Er habe bislang Bässe gebaut und wolle sich jetzt auch an Gitarren versuchen. Dazu brauche er einen guten cleanen Referenzamp.

Da die Bünde meiner Blade nach zwanzig Jahren ziemlich runter sind, fragte ich ihn, ob er auch Gitarren bundieren würde. Das würde er sich wohl zutrauen, meinte der Gute, er würde eine Gitarre, die er bundiert habe mitbringen. Eine Telecaster, die er – wie sich herausstellte - komplett gebaut hatte.

Ich habe die Gitarre vielleicht eine Minute lang gespielt und in meinem Kopf ratterte es los. Ich wusste noch nicht, was sie kostet, aber ich würde sie mir nicht leisten können, nachdem mich mein Volvo im letzten Jahr ruiniert hatte, soviel war klar. Scheiße, er war in Begleitung seiner Lebenspartnerin bei uns im Übungsraum erschienen. Was sollte ich bloß machen, ich konnte schlecht beide umbringen, um in den Besitz dieser Gitarre zu kommen.

Telecaster waren in meinen Augen und Ohren immer gräßliche Gitarren. Bretter, auf die man Pickups und Blechteile genagelt hatte, mit einem Zahnschmerzen verursachenden Sound, wie Fingernägel, die über eine Tafel kratzen. Aber diese Telecaster war eine orgiastische sinnliche Explosion. Sehr kompakt, angenehm schwer und in ihrer unglaublichen Sunburstlackierung von betörender Attraktivität. Mit zupackender Hardware, die Potis, der Pickupwahlschalter von höchster Qualität. Der Hals und das Griffbrett aus einem honigblond getönten Ahorn, wie ich es noch nie gesehen habe. Der Hals schien auf der Grundlage meines Gencodes hergestellt worden zu sein, denn er wurde spürbar zum Teil meines Körpers wurde, als ich ihn umfasste. Und der Sound!! Deutlich vielseitiger und ausgewogener, als ich das von den bisherigen Telecastern kannte, auf denen ich gespielt hatte.

Mein Speicher arbeitete auf Hochtouren. Was war die beste Gitare, mit der ich je in meinen zittrigen Händen gehalten hatte? Okay, ich musste nicht lange überlegen. Das war ganz klar Jochens Paul-Reed-Smith Custom 24.

PRS Custom 24

Klar, die PRS war aufwendiger. Alleine die legendären Birdinlays. Humbucker, Vibrato, das Bodyshaping, die Decke! Aber trotzdem hatte diese schlichte Tele die PRS von meinem kleinen Gitarrenthron geworfen und da war er wieder dieser sich immer tiefer fressende Wurm in meinem Schädel:

WILL HABEN, WILL HABEN, WILL HABEN, WILL HABEN, WILL HABEN, WILL HABEN, WILL HABEN….

Der Preis, den er mir nannte, überstieg zwar klar meine gegenwärtigen Spielräume, war aber für ein in Handarbeit gefertigtes Instrument dieser Klasse durchaus angemessen und auch für Normalmusiker erschwinglich.

Inzwischen weiß ich tieftontechnischer Ignorant, dass Ralf Börjes einer der renommiertesten Instrumentenbauer in unserem Land ist. Er wird sich nicht darauf beschränken, Nachbauten herzustellen. Sein Ziel ist es seine eigenen Gitarren zu entwickeln und Leute!, irgendwann wird eine davon mir gehören.

Ralf Börjes” Website


Und wer sich einen persönlichen Eindruck von dem Meister machen will.